Sicherheit im Reitunterricht – Schutz und Vorbeugung

Sicherheit im Reitunterricht

Als Reitlehrer und Ausbilder im Reitsport sollten Sie moralische Verantwortung übernehmen und jegliche Sicherheitsmaßnahmen während Ihres Reitunterrichtes oder Ihrer Trainingseinheit ergreifen. In dem Moment, wenn Eltern Ihre minderjährigen Kinder in Ihre erfahrenen Hände übergeben, haben Sie die Aufsichtspflicht. Im Falle des Falles können Sie sogar haftbar gemacht und zur Kasse gebeten werden. Im schlimmsten Falle bezahlt Ihre Versicherung den Schaden am Reiter nicht.

Helmpflicht für Minderjährige – Vorbildfunktion für Erwachsene

Für Ihre minderjährigen Reitschüler sollte zu jedem Zeitpunkt eine Helmpflicht während Ihres Reitunterrichtes bestehen. Machen Sie in Ihren Verträgen deutlich, dass Sie Minderjährigen ohne Helm keinen Reitunterricht erteilen, es sei denn, die Eltern erlauben dies in einer schriftlichen Vereinbarung. Ihre Versicherung kann Ihnen die Schadensersatzleistungen kürzen, wenn beim Tragen eines Helmes die entstandenen Schäden geringer ausgefallen wären. Auch die Eltern der minderjährigen Reitschüler können Schadensersatzansprüche geltend machen, da das reiten lassen ohne Helm als grob fahrlässig eingestuft werden kann.

Ihren erwachsenen Reitschülern können Sie lediglich ans Herz legen, den Helm während des Reitens aufzusetzen, solange Minderjährige zu sehen. Stehen Sie für eine Vorbildfunktion ein und ersparen Sie sich im Verletzungsfall eine Menge Ärger und ein schlechtes Gewissen. Was passieren kann, wenn Reiter keine Helme tragen, belegen die folgenden Zitate – egal wie verlässlich Ihre Schulpferde sind, lassen Sie sich nicht verleiten, nicht alles für den Schutz Ihrer Reitschüler getan zu haben:

Ich habe miterlebt, wie ein junger Bereiter beim Dressurreiten in der Halle vom steigenden Pferd gefallen ist – auf den Boden, nicht gegen die Wand. Der junge Mann wurde in der Halle reanimiert, ist kurz danach in der Klinik an einem offenen Schädel-Hirn-Trauma gestorben. (Aus ReiterRevue Forum: https://www.reiterrevue.de/forum/medizin/28995-reiten-ohne-helm.html)

Eine Freundin von mir reitet ein super braves Schulpferd. Er erschrickt so gut wie nie und gilt als das absolute Verlasspferd. Nun, sie ist zum Glück mit Kappe geritten, als er beim einfachen Wechsel seine Beine nicht sortiert bekam und stürzte. Der Schirm vom neuen Casco-Helm war abgebrochen und den Helm konnte sie wegwerfen. (Das Pferd hat sie mit den Hufen am Kopf erwischt beim Aufstehen!!!!!) Der Kopf war heil! Was ohne Helm passiert wäre, daran darf man nicht mal denken!!! (Aus ReiterRevue Forum: https://www.reiterrevue.de/forum/medizin/28995-reiten-ohne-helm.html)

Eine Bekannte hat ihre Pferde von der Wiese geholt. Hat sich nur am Halfter und am Strick raufgesetzt und wollte Richtung Boxen reiten. Das Pferd erschrickt nur leicht, rutscht aber auf dem Asphalt aus, sie knallt runter, mit dem Kopf auf dem Boden. Nach wochenlangem Koma lernt sie grade wieder selbständig Essen! (Aus ReiterRevue Forum: https://www.reiterrevue.de/forum/medizin/28995-reiten-ohne-helm.html)

Der Sohn meines Englischlehrers ist beim Reiten ohnmächtig geworden, hat das Pferd auf sich drauf gezogen und ist- nur dank Helm- nach 4 Wochen wieder aus dem Koma aufgewacht-ohne Helm hätte er null Chancen gehabt! (Aus ReiterRevue Forum: https://www.reiterrevue.de/forum/medizin/28995-reiten-ohne-helm.html)

Gute Kleidung ist ein guter Anfang

Ihre Reitschüler sollten bequeme, funktionale und wetterfeste Kleidung tragen. Außerdem sollte das Tragen von Schmuck weitestgehend vermieden werden: Bei Stürzen können durch Ketten, Würgsituationen entstehen, bei Ohrringen, tiefe Wunden oder teilweise abgerissene Hautfetzen, Sonnenbrillen können zu Splittern im Gesicht und Kopf führen. Auch das Tragen von Schals sollten Sie möglichst unterbinden. Ihre Reitschüler könnten an der Bande, an hervorstehenden Kanten oder auch bei einem Sturz mit dem Schal hängenbleiben und sich im schlimmsten Falle selbst erwürgen. Das Schuhwerk Ihrer Schüler sollte fest, knöchelhoch und unbedingt mit einem kleinen Absatz versehen sein. So wird ein Durchrutschen im Steigbügel verhindert. Auch das Tragen von Handschuhen bei Anfängern und Fortgeschrittenen kann schmerzhaften Blasen zwischen den Fingern vorbeugen. 
Bei fortgeschrittenen Reitern ist es für eine genaue Sitzeinschätzung immer einfacher, wenn die Kleidung Ihrer Reitschüler möglichst eng anliegend ist. Mögliche Sitzfehler, wie ein Hohlkreuz, schiefe Schultern oder ein ungerades Becken können so besser erkannt und korrigiert werden. 

Von der Erwärmung bis zum Abreiten

Um Verletzungen Ihrer Reitschüler und Ihrer Pferde vorzubeugen, sollten Sie unbedingt auf eine ausreichende Aufwärmphase achten. Gerade im Winter steigt das Verletzungsrisiko durch nicht ausreichende Erwärmung der Muskeln der Reiter und Pferde. Geben Sie beiden genügend Zeit, sich aufzuwärmen. Wenden Sie hier zum Beispiel erste Übungen an, um die Muskulatur Ihres Reitschülers vorzubereiten. Desto einfacher und lockerer werden im Nachgang die Trainingseinheiten sein. Schulter- und Armkreisen, Strecken der Beine ohne Bügel, Drehung des gesamten Oberkörpers und Kopfkreisen sind einfache Übungen zur Erwärmung auf dem Pferd. In der Zeit darf das Pferd am hingegebenen Zügel im Schritt den Hals dehnen und sich ebenfalls in aller Ruhe aufwärmen.
Auch Dehnungsübungen für den Reiter werden oft vollkommen außer acht gelassen. Dabei sind für einen elastischen Sitz lockere Muskeln fast elementar. Die Verkürzung der Muskeln durch zu wenig Ausgleich führt schnell zu Schmerzen und Einschränkungen im gesamten Reitersitz.

Praktische Dehnübungen auf dem Pferd:

[powr-image-slider id=eb9f6f44_1499694873378]

Auch nach der Trainingsphase sollten Sie Ihren Reitschülern ausreichend Zeit geben, sich zu akklimatisieren. Mindestens 10 Minuten im Schritt am hingegebenen Zügel sind auch für das Pferd nach der Arbeit wünschenswert. Dabei können ebenfalls Lockerungs- und Dehnungsübungen für den Reiter angewandt werden: Das Schaukeln mit den Beinen nach vorn und hinten im Sattel ist eine Übung die die Hüfte lockert und die Koordination schult.
Im Winter sollten Sie vor allem darauf achten, dass Reiter und Pferd sicher abschwitzen. Nach dem Training im Winter sind eine Abschwitzdecke für das Pferd und eine Jacke für Ihren Schüler zur Vorbeugung von Erkältungen wichtig.

Seien Sie ein Vorbild für den Reitsport und tragen Sie zur Sicherheit Ihrer Reitschüler bei. So umgehen Sie Haftungsfragen und sind in jedem Falle auf der sicheren Seite nach einem Unfall während Ihres Reitunterrichtes.

Stellen Sie sich grundsätzlich die Fragen:

  • Habe ich alles getan, um meinen Reitschüler bestmöglich zu schützen?
  • Ist die Ausrüstung meiner Schulpferde in Ordnung?
  • Passt das gewählte Schulpferd zum Ausbildungsstand meines Reitschülers?
  • Habe ich für die korrekte Aufwärmung des Pferdes und des Schülers gesorgt?
  • Könnte ich nach einem Unfall meines Reitschülers den Eltern versichern, alle Sicherheitsvorkehrungen eingehalten zu haben?
  • Bin ich in der Lage Erste-Hilfe-Maßnahmen einzuleiten?

Können Sie alle Fragen mit „Ja“ beantworten, haben Sie einen großen Teil zur Unfall- und Verletzungsvermeidung im Reitsport beigetragen.